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Orquesta Típica Alfredo de Angelis


Netter Tango für Jedermann


Alfredo de Angelis

‘El Colorado de Banfield’
*02.11.1910  +31.03.1992


Status

La orquesta de la simpatía


Aufnahmen:

550


Kaufen:

Die Einspielungen dieses Orchesters sind meist relativ gut. Einiges gibt es noch besser bei

www.tangotunes.com

LAGRIMAS DE SANGRE
OSCAR LARROCA 1955

 

Stil

rhythmisch, romantisch, berechenbar

Merkmale

in hohen Lagen trillernde Geigen

Spezialität

Gesangsduos
 

Größte Hits:

Soñar y nada más (1944, Dante/Martel)

Pregonera (1945, Dante/Martel)

Pavadita (1958, Instr.)

Wichtigste Sänger:

Carlos Dante (1944 – 1958)
Julio Martel (1943 – 1951)
Oscar Larroca  (1951 – 1958)
Juan Carlos Godoy (1958-64)

Bedeutende Musiker:

Piano/Arrangement: Alfredo de Angelis

Bandoneon: Carlos Cubiá

 

Alfredo De Angelis spielte über fünf Jahrzehnte in der ersten Liga der Tango-Orchester. Seine beschwingten Valses sind zweifellos Höhepunkte des Genres. Er komponierte Perlen wie Pregonera (1945) oder Remolino (1946). Gleichzeitig lehnen viele seine Musik als zu schlagerhaft ab, manche DJs weigern sich, Tangos von De Angelis zu spielen, schon Zeitgenossen bezeichneten sein Schaffen abfällig als música de calesita – Karussellmusik.
Tanzbar sollte seine Musik sein. Das zählte für De Angelis mehr als Innovationen und Experimente. Die Rechnung ging auf, und auch in den weniger tangofreundlichen Jahren nach 1955 feierte er Erfolge und blieb bis zur Wiedergeburt des Tango in den 80er-Jahren im Geschäft. Neben eingängigen, melodiösen, wenn auch oft schematischen Arrangements waren sein größter Trumpf vom Publikum geliebte Sänger, die der stets smarte und freundliche Rotschopf in oftmals schmalzigen Duetten zum Leuchten brachte.

 


Pregonera, Dante/Martel,
 


 
 

Ein musikalisches Elternhaus

Schon im kulturell geprägten Elternhaus – der Vater war Geiger, Restaurateur und Bildhauer – ließ sich der eine oder andere Tangomusiker, darunter auch Gardel, gerne blicken. De Angelis wuchs in Banfield auf, einem Vorort von Buenos Aires, und erhielt bald wegen seiner  ungewöhnlichen roten Haare den Spitznamen El Colorado. Zum Klavierlehrer ausgebildet fand er als 15-Jähriger im Zentrum der Stadt zunächst nur Jobs in kleinen Tango-Combos, in Tanzschulen oder in einem Musikgeschäft, wo er klimperte, um den Verkauf aktueller Noten anzukurbeln. Es dauerte, bis er sich in der Szene etabliert hatte. Die 30er-Jahre waren keine rosigen Zeiten, und erst recht nicht für Tango-Musiker.


Das eigene Orchester

Wegen mangelnder Möglichkeiten in der Hauptstadt zog De Angelis mit seinem ersten, 1936 gegründeten Orchester über ein Jahr lang durch die argentinische Provinz, konnte die Combo aber nicht halten. Der mittlerweile 29-Jährige, der sich ständig weitergebildet hatte, fand beim damals durchaus populären Francisco Laura einen Platz am Piano und half seinem beliebten, aber wenig musikalischen Chef1, indem er sich auch um Arrangement und Komposition kümmerte. Nun war er in der ersten Liga der Orchester angekommen.


Lauro, ein beliebter, witziger Typ, spielte auf der Bühne ein Bandoneon ohne Innenleben. ‚Stumme‘ Geigen und Bandoneons sollten bei großen Veranstaltungen in Zeiten ohne Verstärkung Wucht vorgaukeln, um mehr Gäste zu locken. Dass allerdings der Leiter nicht spielte, war einmalig. Sein Solo spielte ein anderer im Hintergrund. Aus Jux stoppten seine Musiker manchmal gleichzeitig ihr Spiel, Lauro öffnete und schloss seinen Balg stoisch weiter, er hatte Humor.

1941 suchte das berühmte Cabaret Marabú eine neue Band. Der stets gut gelaunte De Angelis nutzte seine Chance und sammelte die Reste des gerade aufgelösten Lauro-Orchesters um sich. De Angelis Tochter erwähnt in ihrer Biographie, dass dieses Orchester als eines der ersten als Kooperative organisiert war. Und so blieben viele dieser Musiker über Jahrzehnte ihrem umgänglichen, freundlichen Orchesterleiter treu. Carlos Cubiá prägte sogar über 35 Jahre lang den Sound als erstes Bandoneon. Teil der Truppe war Néstor Rodi, der mit kräftiger, damals legendärer Stimme die Glosa intonierte. Das waren einige wohlklingende, lyrische Zeilen, die auf den nächsten Tango einstimmten. Auf einigen Aufnahmen der 40er-Jahre wie Bajo El Cono Azul (1944, Floreal Ruiz) ist er zu hören.

Der Pop-Star

De Angelis Truppe zählte spätestens ab 1946 zu den gefragtesten Orchestern

Pregonera (Dante-Martel) war der Hit des Jahres 1945, die Verkaufszahlen brachen alle Rekorde. Für ein Engagement des Orchesters im Karneval zahlten Clubs und Cabarets Höchstpreise – die Plattenfirma Odeon hatte sich mit De Angelis das richtige Pferd in den Stall geholt.

Und De Angelis und seine Sängerstars waren auch im erfolgreichen All-Star-Tango-Film El Cantor del Pueblo mit von der Partie. Durch seine Rolle als singender Liebhaber in El Ídolo del Tango (1949) wurde der junge Sänger Julio Martel auch im echten Leben zum landesweiten Idol.

1948 landete De Angelis bei einer Leserumfrage nach dem beliebtesten Orchester auf dem ersten Platz, knapp gefolgt von Pugliese, D’Arienzo, Troilo und Caló.

Radioauftritte und Tourneen sicherten die Bekanntheit auch in den Provinzen sowie in vielen Ländern Südamerikas.

Vor allem im Karneval flossen die Pesos in Massen, denn während dieser acht Nächte schlug sich praktisch jeder, der es sich leisten konnte, die Nächte in Nachbarschaftsclubs, Sportstadien und den Cabarets des Zentrums um die Ohren.

Doch gleichzeitig kritisierten schon die Zeitgenossen die Einfachheit und Durchschaubarkeit der Musik, Witze und Karikaturen machten sich darüber lustig, dass De Angelis mit seinem populären, teilweise schlagerhaften Stil erfolgreicher war als Stars wie Di Sarli, Troilo oder Pugliese. Ein Grund für den Erfolg war sicher auch das stets kultivierte Markenzeichen: la Simpatía, die Nettigkeit. Die Marke ‚De Angelis‘ zog, und es wundert nicht, dass Alfredo sein lächelndes Gesicht auch als Eyecatcher einer Werbekampagne für die Haar-Pomade Cheseline zu Geld machte.



 


Der De Angelis – Sound

De Angelis wollte, wie er sagte, Musik für die Menschen machen, einfach, melodiös, mit einem klaren Compás. Während Troilo, Pugliese, Piazzolla, Gobbi oder Salgán im Laufe der 40er-Jahre komplexere, musikalisch fortschrittlichere Wege suchten, Trauer und Schmerz aus ihren Bandoneons quetschten und Sängerstars wie Alberto Marino oder Alberto Castillo sowohl die Schmalz- als auch die Tränendrüse anregten, begeisterte De Angelis die Massen mit meist fröhlicher, unbeschwerter, immer tanzbarer Musik voller schöner Melodien und positiver Energie – das war Pop, teilweise genial, vielfach austauschbar.

Die Grundlage bildet ein steter Beat mit gut tanzbaren, vorhersehbaren rhythmischen Variationen. De Angelis Arrangements beruhen meist auf angenehmen, wenig komplizierten Harmonien, die den Rahmen für die schönen, oft als Duett arrangierten Stimmen bilden. Dazu gesellen sich wie etwas zu hell leuchtende Girlanden die in hohen Lagen zwitschernden Geigen, während die mittleren Lagen von routiniert gespielten, gerne ins Beliebige abdriftenden Läufen der Bandoneons besetzt werden. Häufig waren es die Violinen, die die Variaciones spielten und nicht wie sonst die Bandoneons. Das Ergebnis ist ein angenehmer, voller, insgesamt eher in höheren Lagen angesiedelter Sound, der eine Milonga mit seinem etwas anderen Klangbild bereichern, aber auch schnell mal mit seiner Konstruiertheit auf die Nerven gehen kann. Doch De Angelis traf damit den Geschmack vieler, über 22 Jahre lang versammelte sich halb Argentinien seit dem 1. April 1946 zur Prime Time vor den Radioapparaten, um ja nicht den Glastora Tango Club zu verpassen, De Angelis tägliche Radiosendung.

Der Glostora Tango Club

Namensgeber dieser Institution, die montags bis freitags von 20.00 - 20.15 Uhr gesendet wurde, war tatsächlich eine Haarpomade des Sponsors Glostora, die den Style der Porteño-Frisuren sicherte. Mit dem Slogan ...dedicado a la juventud triunfadora (=der erfolgreichen Jugend gewidmet) stilisierte sich das Orchester täglich zum Vertreter der jungen Porteños. Während sich die Hauptstadtbewohner in der Maipú 455 stauten, um einen der rund 500 kostenlosen Plätze im größten Studio der modernen Gebäude von Radio El Mundo zu ergattern, die Mitte der 30er-Jahre errichtet worden waren, versammelten sich Menschen im ganzen Land vor den Radioapparaten. Grund war nicht allein der Tango Club, sondern ebenso eine im Anschluss gesendete, im ganzen Land geliebte Radio-Liebes-Soap. Und so pfiffen die Porteños oft schon am nächsten Tag den Tango von De Angelis, der am Vorabend Premiere hatte. Wenn der Rothaarige mit seinen Jungs im Sommer für drei Monate auf Tournee ging, standen sofort andere Große wie Canaro, D’Arienzo oder Pugliese bereit, um an der Popularität von El Tango Club teilzuhaben. Einer der schönsten instrumentalen Tangos von De Angelis, El Tango Club (1957) ist von dieser Institution inspiriert.

Ein Live-Mitschnitt von der ersten Sendung des Glostora Tango Clubs

De Angelis live in Farbe
Diese längere Fernsehaufnahme zeigt De Angelis bei einem Konzert in Montevideo um 1980 mit den Sängern Julián Rosales und Carlos Aguirre


De Angelis privat

Im März 1939 heiratete der lebenslustige, aufgeschlossene De Angelis seine Frau Isabel, die ihn bis zu seinem Tod privat und beruflich partnerschaftlich begleitete. Die einzige Tochter, Isabel, blieb ihren Eltern lebenslang eng verbunden. Sie machte sich in den 70ern und 80ern einen Namen als Sängerin im Orchester ihres Vaters, unterstützte diesen bei der Orchesterleitung und verewigte in einer Biographie die musikalische Laufbahn ihres Vaters.
De Angelis, immer witzig, freundlich und umgänglich, malte in seiner Freizeit durchaus erfolgreich und liebte, wie so viele Tangueros, das Pferderennen. So leistete er sich zeitweise sogar ein eigenes Gestüt. Legendär war sein Zigarettenkonsum: Über 80 Zigaretten qualmte er täglich weg, auf seinem Piano lagen immer zwei Schachteln bereit. De Angelis starb im nicht ganz jungen Alter von 81 Jahren, doch die Sucht kostete ihn sicher einige Jahre.

Zwar verlor der Tango im Laufe der 50er-Jahre an Popularität, doch De Angelis blieb erfolgreich im Geschäft. Seine Tangos blieben immer rhythmisch, tanzbar, und verbreiteten mit ihren schönen Melodien eine positive Stimmung. Er vermarktete sich mit seiner eingängigen Musik weiter als das Orchester der Jugend, passte seinen Sound über die Jahrzehnte nur leicht an. So konnte er sein Orchester, vor allem dank seiner großen Popularität in den Ländern Südamerikas, wo Tango weiter beliebt war und er sich eine große, treue Fangemeinde aufgebaut hatte, als einer der wenigen in voller Größe am Leben halten. Die letzten Aufnahmen entstanden 1987 in Chile, und das Orchester wie auch das Klavierspiel des fast 80-Jährigen klingen immer noch wie Jahrzehnte zuvor. .2

Der Komponist

De Angelis, ein versierter Pianist, dirigierte sein Orchester vom Klavier aus. Und er komponierte unter anderem so herausragende Tangos wie Remolino, Pregonera, Pastora, oder Que Lento Corre el Tren.
Sein wichtigster Texter war der Besitzer eines Friseursalons, José Rótulo. Spätestens seit dem Hit des Jahres 1945, Pregonera, klingelten nicht nur die Tantiemen in Rótulos Taschen, sondern auch die Tür seines nun berühmten Salons.

Pavadita

Eines morgens, so berichtet Tochter Isabel, stand der berühmte, mittlerweile 71-jährige Komponist Anselmo Aieta überraschend mit einer außergewöhnlichen musikalischen Idee im Gepäck vor der Tür. Sie kannten sich seit Jahrzehnten, bei Aieta hatte De Angelis als Novize begonnen. Einen Tag lang arbeiten die beiden intensiv und beschlossen abends, dem außergewöhnlichen Ergebnis den bescheidenen Titel Pavadita – eine Kleinigkeit, ein Kinderspiel zu verpassen. Der Tango-Hit des Jahres 1958 war geboren und wurde wegen seines besonderen Sounds Leitmelodie vieler Fernseh- und Radiosendungen.

Pavadita, 1958
Sayaka - Joscha


Alma en pena
CARLOS GARDEL CON ORQ DE ALFREDO DE ANGELIS

Scheitern an Gardel-Reloaded

Der Tangogott Carlos Gardel wollte nie zusammen mit Orchestern für Tanzende singen, schließlich gab es damals noch keine vernünftigen Mikrophone. De Angelis nahm sich heraus, diese Lücke zu schließen.

Mitte der 70er-Jahre war es technisch möglich, die Stimme Gardels weitgehend zu isolieren. Also ließ sich El Colorado dazu hinreißen, die bewährten Elemente seines Tango-Baukastens, z.B. hektische Läufe der fiddelnden Geigen und sehr beliebig wirkende Bandoneonphrasen in viel zu unruhigen Arrangements um die Stimme der Tango-Ikone zu arrangieren.

Das Ergebnis ist niederschmetternd schlecht


Außergewöhnliche Stimmen

Floreal Ruiz und Julio Martel

De Angelis bewies regelmäßig ein glückliches Händchen bei der Auswahl seiner Sänger.

Die ersten Hits wie z.B. Marioneta (1943) sang Floreal Ruiz, der – nicht ganz im Frieden – bald zu Aníbal Troilo weiterzog. Dennoch, so wird berichtet, lieh ihm De Angelis, der eine gute Seele war, für den ersten Auftritt mit Troilo im Cabaret einen Smoking.

Im Duett mit Ruiz sang der junge, knapp 20-jährige Julio Martel, den De Angelis aus hunderten von Bewerben bei den üblichen Castings in den Studios von Radio El Mundo herausgepickt hatte. Seinen Künstlernamen verpasste ihm Néstor Rodi, die legendäre Glosa-Stimme des Orchesters, der, als sie Julios Einstand feierten, hinter der Bar eine Flasche Cognac der Marke Martell entdeckt hatte.

Der junge, hübsche Julio Martel sang sich mit seinem fein phrasierten Bariton nicht nur sofort in die Herzen der Frauen. 63 Solonummern, 17 Duette sowie Filmauftritte machten aus dem aus einfachsten Verhältnissen stammenden jungen Mann einen Star, der sich ein ausschweifendes Promileben leisten konnte und vor allem während der Tourneen durch die Provinzen von den weiblichen Fans verehrt wurde. 1951 verließ er das Orchester für eine nur teilweise erfolgreiche Solokarriere und zog sich früh von der Bühne zurück.

Bajo el cono azul, 1944
Marcelo Ramer - Selva Mastroti, 2022

Remolino - Dante/Martel, 1946
Fabian Peralta y Virginia Pandolfi im legendären Club Sunderland, Buenos Aires, 2009

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Das Duo Carlos Dante und Julio Martel

Als Ersatz für Floreal Ruiz verfiel De Angelis auf die Idee, einen Veteranen des Tangogesangs und Kumpel aus alten Zeiten aus dem Ruhestand zurückzulocken: Carlos Dante. Der war zwar Ende der 20er-Jahre ein Star bei Canaro und D’Arienzo gewesen, begeisterte Anfang der 30er-Jahre als Stimme Rafael Canaros das Publikum in Paris und hatte Hits mit Caló, lebte aber als mittlerweile über 40-Jähriger weitab der Bühne ein zurückgezogenes Familienleben. Néstor Rodi überzeugte Dante zu einer dreimonatigen Probezeit, dieser blieb – und eines der erfolgreichsten Duos des Tango war geboren.


Oscar Larroca (1922-1976)

Vom Vater früh gefördert trat Larroca zunächst im Stil Gardels auf, nur von Gitarren begleitet.

Er sammelte dann unter anderem bei Domingo Federico Erfahrung als Orchestersänger, um ab 1951 als Ersatz von Julio Martel solo und mit Carlos Dante erfolgreich im Duett zu singen.


Zorro Gris - Oscar Larroca, 1951
Eine der musikalischsten Aufnahmen von de Angelis

Juan Carlos Godoy 1922 - 2016

Godoy startete seine Karriere 1956 bei Tanturi, der ihm auch seinen Namen verpasste – berühmt wurde er aber ab 1958 mit De Angelis. Genauso wie Larroca, der viele Jahre in Kolumbien verbrachte, profitierte Godoy – nachdem er De Angelis verlassen hatte – in den Jahren der Tangokrise von seiner großen Popularität in Ländern wie Chile oder Kolumbien. Hier verbrachte er über 15 Jahre und wurde nicht nur vom Drogenboss Pablo Escobar verehrt,  dem er gut dotierte Privatkonzerte gab. Seine hohe Tenorstimme schuf Perlen wie Quien Tiene Tu Amor. Legendär war sein elegantes, dandyhaftes, charmantes Auftreten mit der Eleganz eines Casino-Croupiers. Genauso wie Alberto Podestá erlebte Godoy die Renaissance des Tango seit den späten 80er-Jahren, kehrte zurück nach Buenos Aires und trat als rüstiger Greis regelmäßig auf. Der Film Café de los Maestros, der die letzten überlebenden der alten Garde im Jahr 2008 noch einmal zusammenführt, gibt ein Zeugnis davon ab.

ENTRE TU AMOR Y MI AMOR, Juan Carlos Godoy, 1959
Gianpiero Galdi - Maria Filali, 2022
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De Angelis für Tanzende

Tanzbar sind die meisten der knapp 550 Aufnahmen. Neben lieblos arrangierter Massenware findet sich Gelungenes sowie eingängige, wenn auch teilweise zu oft gespielte Superhits.


Valses

De Angelis große Vals-Knaller mit dem Duett Carlos Dante/Julio Martel wie Soñar y Nada Más (1944), Pobre Flor (1946), Flores de Alma (1947) oder Cariñito (1949) vereinen romantische Melodien mit hohem Tempo (rd. 73 bpm). Wer hier nicht in Moulinetten-Rausch verfällt, ist selbst schuld. Hermana (1958) oder Angélica (1961) mit Godoys wunderbarer Stimme schwelgen ähnlich romantisch, lassen es aber gemütlicher angehen.


Ilusión azul (Dante/Martel, 1947)
Mirella and Carlos Santos David - Gent, 2019.











Flores del Alma (Dante/Martel, 1947)
Daiana Guspero and Miguel Angel Zotto - Bellaria, Italy, 2019.



Soñar y Nada Mas (Dante/Martel, 1946)
Simone Facchini & Giogia Abballe - Buenos Aires, 2015


Pobre Flor (Dante/Martel, 1946)
Gioia Abballe & Simone Facchini - Bari, 2022







Tangos

Floreal Ruiz

Marioneta (1943) oder Bajo el Cono Azul (1944) sind erste Hits, die De Angelis die Tür in den Tango-Olymp öffneten; heute eröffnen sie wegen ihrer klaren Struktur gerne eine Milonga.




Marioneta (Floreal Ruiz, 1943)




Carlos Dante und Julio Martel

Mit netten rhythmischen Spielereien und schönen Melodien zählten Julio Martels Tangos Va Llegando Gente Al Baile (1944), Jirón Porteño (1946) oder Bajo Belgrano (1949) jeweils zu den großen Hits des Jahres. Noch erfolgreicher waren die mit Dante im Duett intonierten Gassenhauer Remolino (1945), Pregonera (1945) oder Pastora (1948), während zu Dantes größten Solo-Hits neben La Brisa (1946) auch Soy un Arlequín (1945) oder Bésame en la Boca (1950) zu zählen sind.


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Volvemos a empezar, 1953, Oscar Larocca
Mariana Montes - Sebastian Arce, 2022
 

Oscar Larroca

Gelungen sind z.B. Zorro Gris (1952), Viejo Rincón (1953), Bailarin Compradito (1953) oder der langsame Klassiker Y Todavia Te Quiero von 1956.

 

Juan Carlos Godoy, Lalo Martel

Tangos mit dem Sänger Godoy wie No Culpes Al Amor (1958), La Última Copa (1958), Entre Tu Amor y Mi Amor (1959), Quién Tiene Tu Amor (1958) oder T.B.C. (Te besé – Ich küsste dich – 1960) mit Julio Martels Bruder Lalo Martel als Sänger sind zwar rhythmisch wenig aufregend und mit den üblichen Bausteinen arrangiert, überzeugen aber mit schönen Melodien und einem vollen, harmonischen Klangbild.


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Obsesión 1963, Juan Carlos Godoy
ein Videoprojekt


Re Fa Si, 1959
Bologna, 2019

 

Instrumentale

Ähnliches gilt für die sehr eingängigen Instrumentalstücke Mi Dolor (1957), El Tango Club (1957) oder das herausragende Pavadita (1958). Und selbst der ursprünglich raubeinige, von De Caro viele Jahrzehnte zuvor komponierte Klassiker Flores Negras (1961) passt nach der Weichspülung durch De Angelis in dieses Muster.