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Orquesta Típica Pedro Laurenz


*10.10.1902 +07.07.1972

Status

Jimi Hendrix" des Bandoneon

König der Variaciones

Aufnahmen:

68

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Lohnenswert ist auch die CD "Patria Mia" vom Label Diegon, die man bei Terra melodica bestellen kann.



Stil

intensiv, rockig, komplex, voller Energie

Merkmale

virtuose, explodierende Bandoneon-Soli

Wichtige Aufnahmen:

Arrabal (1937), Amurado (1940/1947)

Wichtige Sänger:

Juan Carlos Casas (1938-1942) - Alberto Podestá (1943-1944) - Carlos Bermúdez (1944) - Jorge Linares (1944)

Bedeutende Musiker:

Bandoneon: Pedro Laurenz

Piano: Héctor Grané

(Heikki Valkonen arbeitet umfangreich und akkibisch die Bedeutung von Grané für das Orchester von Laurenz heraus.)





Einführung

Pedro Laurenz Musik elektrisiert, pulsiert, inspiriert, ist voller Energie. Manche sagen – und für viele Stücke trifft das zu: Laurenz rockt! Während man das Bandoneonspiel Troilos am ehesten mit dem Gitarristen „Mr. Slowhand“ Eric Clapton vergleichen könnte, denkt man beim Hören von Laurenz‘ Bandoneonsoli eher an Griffbrettvirtuosen wie Eddi van Halen.

Doch auch wenn für Tango-Experten mit Laurenz prickelnder Version von „Arrabal“ (1937) die Goldenen Jahre des Tango beginnen und heute für viele Tanzende seine vibrierenden Arrangements zu den Sahnestücken jeder Milonga zählen, spielte er in den Vierzigern nicht in der ersten Liga: Dass die Musik zu progressiv war und daher die konservativen Plattenlabels mit Aufnahmen zurückhaltend waren, kann höchstens für die Zeit vor 1940 gelten. Wahrscheinlich erreichten Laurenz Sänger vielfach nicht die Klasse der Konkurrenz und er kümmerte sich wohl auch nicht ausreichend um entsprechende Vermarktung. Denn Pedro Laurenz war ein Familienmensch, der sich nicht jede Nacht in Cabarets und lokalen Tanzclubs um die Ohren schlagen wollte. Und dennoch bezweifelt niemand, dass Laurenz über viele Jahrzehnte die musikalische Entwicklung des Tango mit seinem einmaligen Bandoneonspiel, als Komponist und als Orchesterleiter immer wieder wesentlich vorantrieb. Nach einer bewegten Jugend gliedert sich Laurenz‘ musikalisches Schaffen in drei Phasen.




Jugend

Pedro wurde zwar in Buenos Aires, im Barrio Villa Crespo, geboren, wo er zunächst Violine lernte, seine Jugend verbrachte er jedoch nach dem Tod des Vaters in Montevideo bei seinen beiden sehr viel älteren Stiefbrüdern, die sich um die verwitwete Mutter und den kleinen Pedro Blanco Acosta, so Laurenz Geburtsname, kümmerten.  Sie waren es auch, die ihn überzeugten, das damals immer mehr an Popularität gewinnende Bandoneon zu erlernen.


Seine ersten Meriten verdiente er sich in einem heute unbekannten Orchester namens „Casanova“, in dem übrigens auch Edgardo Donato zusammen mit seinem Freund und späteren Geschäftspartner Roberto Zerillo die Geige strich. Mehr Ruhm, Erfahrung und Entwicklungsmöglichkeiten versprach sein nächstes Engagement: Laurenz erhielt einen Platz in der Fila del Bandoneones im Orchester von Eduardo Arolas, zweifellos einer der bedeutendsten Bandoneonspieler der Guardia Vieja sowie einer der wichtigsten Komponisten der Tangogeschichte.

(Tangohistoriker bezeichnen die erste Musikergeneration der Jahre nach 1900, als die ersten Kompositionen und die ersten Orquesta Típica entstanden und die quasi die Kindheit des Tango repräsentieren, als Guardia Vieja. Die nächste Phase, späte Jugend und junges Erwachsenenalter des Tango, wird davon als Guardia Nueva abgegrenzt, die Época de Oro kann man grob von 1933 bis 1945/50 datieren.)

1920, noch keine 18 Jahre alt, überquerte Laurenz erneut den Río de la Plata und kehrte zurück nach Buenos Aires. Schnell entdeckte er den anderen Pedro, den damals legendären Bandoneonspieler Pedro Maffia, und dieser wurde sein großes Idol. So oft er konnte, bewunderte er dessen Fingerspiel, obwohl beide einen ganz unterschiedlichen Stil verfolgten: Maffia war bekannt für seinen samtweichen Ton, der die Herzen anrührte, Laurenz entwickelte sich immer mehr zum ausdrucksstarken Virtuosen mit brillantem Klang und teilweise explosiver Dynamik.




Glanzvolle Jahre im Orchester Julio de Caros

Zur Zeit der Guardia Nueva schließlich, also in den Jahren von 1922 bis zur Krise 1929, hob Laurenz zusammen mit Pedro Maffia, Carlos Marcucci und Ciriaco Ortíz die Kunst des Bandoneonspiels auf ein gänzlich neues Level. Dabei setzte Laurenz mit wilden Soli, rasenden Zweiunddreißigsteln, unabhängigem Spiel der linken und rechten Hand sowie dem fließenden Ineinander von gezogenem und gedrücktem Spiel neue, von anderen Bandoneonisten kaum erreichbare Maßstäbe.

Laurenz‘ Start im Sextett der Brüder De Caro, dem angesagtesten Sextett der Zwanziger, ist unter Tangohistorikern Legende: Nachdem Julio de Caro 1924 gerade den Vertrag seines Lebens für seine junge Combo im edlen Palais de Glace ergattert hatte, verließ ihn sein zweiter Bandoneonstar, Luis Petrucelli. Laurenz, der ja als Fan von Pedro Maffia viele Stücke auswendig kannte, durfte neben seinem Idol zur Probe spielen. Der schweigsame, selten lächelnde Maffia würdigte den Jungstar keines Blickes, umarmte ihn aber am Ende voller Verwunderung, woher denn dieses Genie vom Himmel gefallen sei.

Nachdem auch Maffia eigene Wege gegangen war, prägte Laurenz acht Jahre lang als erstes Bandoneon sowie mit vielen Kompositionen und Arrangements die De Caro-Combo, deren musikalische Ideen und Konzepte als so einflussreich gelten, dass Tango-Historiker die Entwicklungslinie der innovativeren Orchester als De Caro-Schule bezeichnen.

Übrigens war es Julio de Caro, der unseren Bandoneonvirtuosen überzeugte, den Namen des Stiefvaters, nämlich Laurenz anzunehmen.


In den 11 Jahren mit De Caro entwickelte sich Laurenz zu einem der besten Bandoneonspieler der Tangowelt sowie zu einem bedeutenden Komponisten. Alleine oder zusammen mit De Caro entstanden Hits wie „Mala Junta“, „Orgullo criollo", “Amurado", "Milonga de mis amores", wunderbare romantische Tangos wie “24 de Agosto”, "Es mejor perdonar"  oder „Como dos extraños“ sowie der Vals-Klassiker „Mascarita“. Auf Tourneen durch Brasilien und Europa gewann er Weltläufigkeit, befreundete sich in Paris mit Carlos Gardel und war mit von der Partie im All-Star-Tango-Film „Luces de Buenos Aires“ (1931).



Das erfolgreiche Orchester

Nachdem 1934 nahezu alle Musiker Julio de Caro im Streit verlassen hatten, übernahm Laurenz das Zepter und wagte mit einigen der alten Kollegen einen Neustart, der alles andere als unkompliziert war. Laurenz war musikalisch seiner Zeit einfach zu weit voraus. Das zeigte sich schon daran, dass er kurz zuvor mit einem progressiven Projekt gescheitert war. Zusammen mit den Stars der 40er, Aníbal Troilo, Emilio Vardaro und Osvaldo Pugliese, spielte er dafür 1933 eine noch existente Probeaufnahme ein, die aber von der Plattenfirma als zu fortschrittlich und damit als zu schwer verkäuflich abgelehnt wurde. Vieles von dem, was Laurenz unvergleichlichen Stil ausmacht, ist hier schon hörbar: Das Rockige gepaart mit lyrischen Phrasen, eine Vielzahl musikalischer Ideen und natürlich Pedros unvergleichliche Bandoneonsoli.

Nach einem ersten Engagement im Café 36 Bailles ergatterte das Orchester -  wohl eher trotz als wegen seines innovativen Stils  - einen Sendeplatz im Radio, der 1937 schließlich den Weg ins Plattenstudio ebnete.
Wichtigste Stütze der ersten Jahre war neben dem langjährigen Freund und Geiger Samy Friedenthal sein langjähriger Bandoneonpartner Armando Blasco.

Schon die erste Aufnahme, „Milonga de mis amores“, brennt vor Energie und Einfallsreichstum, es ist aber vor allem Laurenz Einspielung von Arrabal (1937), die noch heute elektisiert. Über einem vom Piano entfalteten rhythmischen Fundament im anspruchsvollen 3-3-2-Muster sprudeln immer wieder energiereiche Ton-Kaskaden, die Laurenz seinem Balg entlockt, während sich gleichzeitig immer neue musikalische Ideen und Mini-Pattern über den treibenden Rhythmus legen. Osvaldo Pugliese war ein großer Fan dieses Meisterwerks, sodass er beinahe jeden Auftritt mit „Arrabal“ begann.

Dieselbe Energie spürt man auch im Instrumentaltango Amurado (1940), in dem Laurenz ständig im Dialog mit dem Piano in aufsteigenden Mini-Bandoneonsoli in 32stel-Kaskaden brilliert. Laurenz, ein autodidaktisches Instrumentalgenie, verfügte über keine grundlegende musikalische Ausbildung, weshalb er das Arrangieren meist seinen Pianisten wie z.B. Armando Federico, Héctor Grané oder später Miguel Nijenson überließ.


Der Nukleus des Laurenzsounds ist natürlich das mitreißende Bandoneonspiel des Meisters. Seine Vorgänger spielten schmalziger, softer. Laurenz entlockt dem Balg eine pulsierende „melodia ritmica“, sein Sound ist offen, leuchtend, brillant und kräftig. Er spielt mit Ausdruck, Tiefe und Emotion, und dazu gehört auch ein mal frecher, mal kratziger, mal aggressiver Ton. Die Stücke bis 1942 bauen noch mehr auf einem stakkatohaften Grundbeat auf, sind aber dennoch vollgepackt mit kleinen rhythmischen Spielereien und witzigen musikalischen Kombinationen, über die sich immer wieder wunderbare Melodien der Stimmen oder der Geigen legen. Und überall, vor allem aber in Form langer, rasender Soli, taucht funkensprühend Laurenz‘ scheinbar atemloses, mit beiden Händen virtuos hingefegtes Bandoneonspiel auf, mit dem er sein Orchester voranzutreiben scheint.


Das Frühjahr 1943 brachte für die Band einige Veränderungen:
Laurenz wechselte vom Plattenlabel Victor zu Odeón.
Weit bedeutender war aber, dass Laurenz es gelungen war, Alberto Podestá als Sänger zu gewinnen. Nun wird auch die Musik des Laurenz-Orchesters dem Publikumsgeschmack folgend ruhiger und lyrischer, die längeren Vokalparts von Podestá (z.B. 24 de Agosto, 1943) oder Jorge Linares (z.B. Ésta noche al pasar, 1944) lassen  zwar weniger Raum für Laurenz energiegeladene Soli, durch sein pulsierendes Spiel, seinen unvergleichlichen Ton und sein Timbre prägt Pedro aber weiterhin nahezu jede Phrase dieser auf jeder Milonga geliebten Perlen. Was sich aber durch alle Phasen von Laurenz Schaffen zieht, ist ein gewissen Pulsieren, ein leichtes An- und Abschwellen, ein scheinbares Atmen des Orchesters, was wohl ein Schlüssel für die Magie des Laurenz-Sounds ist.


Nach 1944 gelingt es Laurenz nicht mehr, Akzente zu setzen. Die wenigen Aufnahmen sind geprägt von schwachen Sängern und wenig innovativen Neueinspielungen alter Klassiker. Sein Orchester bestand aber noch bis weit in die 50er Jahre.


Pedro Laurenz war ein „High Life Man“, er war einer der elegantesten Orchesterleiter seiner Zeit, der seine Kleidung und die der Orchestermitglieder bei den teuersten Schneidern der Stadt fertigen ließ. Hemd, Socken, Krawatte, Taschentuch, alles musste zusammenpassen.

Er galt als freundlicher, gerader, sehr umgänglicher Charakter, dem maximaler Verdienst nicht so viel bedeutete, weshalb er wiederholt verarmten Kollegen Kompositionen überließ, sodass die Vermarktungsrechte und damit regelmäßige Einkünfte hatten.

Und daher natürlich war Laurenz auch 1943 dabei, als alle großen Tanzorchester Benefizveranstaltungen für die Stadt San Juan unterstützten, die bei einem schrecklichen Erdbeben mit 10.000 Toten zerstört worden war. Die meisten dieser solidarischen Bälle wurden übrigens von den örtlichen Fußballklubs in deren Stadien veranstaltet.


Tigre viejo (1933)
Probeaufnahme des Sexteto Vardaro mit Troilo und Laurenz an den Banoneons


Arrabal (1937)
Carlitos Espinoza y Noelia Hurtado, Mariela Sametband y Guille Barrionuevo en Madrid - 2018



Abandono
In 80 Tangos um die Welt - Episode 7 - von Daniela und Raimund aus Berlin (2021)




Amurado
Raquel Greenberg & Gabriel Marino, Blackpool, 2014


Que nunca me falta (1943, Podestá)
Juan Amaya y Valentina Garnier - Yira Yira Milonga. Nuevo Club Gricel, BA - 2019





Washington Bertolin, der mit seiner Jazz-Combo im Wechsel mit den Tango-Orchestern spielte, war übrigens das Akkordeongenie, das dem Orchester von Edgardo Donato in den 30ern seinen fröhlichen Ton verliehen hatte.


Die späten Jahre – „Kammermusik“ im Quinteto Real

1960 – Tango hatte als Massenphänomen und insbesondere als Tanz seine Bedeutung weitgehend verloren – gründete der innovative, musikalisch dem Jazz näherstehende Pianist, Komponist und Orchesterleiter Horacio Salgán zusammen mit dem Gitarristen und Bestfriend Ubaldo de Lio ein Quintett, das, sicher auch wegen seiner herausragenden Musiker, bis 1970 Bestand haben sollte. Denn Salgáns anspruchsvolle, eher konzertante Arrangements interpretierte neben dem Bandoeonvirtuosen Laurenz und einem weniger bekannten Bassisten die Geigenlegende Enrique Mario Francini. Tourneen durch Japan (1964, 1966 und 1969), wo auch die wichtigsten Aufnahmen entstanden (Quinteto Real en Japón, 1964), machten das Quinteto Real und damit Pedro Laurenz zu einem wichtigen Botschafter des Tango in dessen Krisenjahren. Diese Musik ist langsamer, leichter, luftiger und ein wenig jazzig angehaucht, nett arrangiert und präzise eingespielt, im Vergleich zum jungen Laurenz aber doch nur Altherrenmusik, wie so vieles aus den Jahren der „Vanguardia“. (http://quintetorealenjapon.blogspot.com/2014/05/quinteto-real-en-japon-fotos-de-ricardo.html)


Höhepunkt dieser späten Jahre war sicherlich ein Auftritt in der Carnegie Hall in New York am 16. Mai 1970, auch wenn Pedro da schon gesundheitlich angeschlagen war. 1972 erlag Laurenz seiner Krebserkrankung. Laurenz und sein alter Freund, der Geiger Samy Friedenthal, hatten sich noch in den Vierzigern auf einer Insel im Tigre-Delta geschworen, sich gegenseitig bis zum Tod beizustehen – und tatsächlich verbrachte Samy, der viele Jahre in Laurenz‘ Orchester spielte, die letzten Minuten mit ihm.



Laurenz für Tanzende

Milongas

Laurenz‘ Faible für Zackiges zeigt sich schon daran, dass sich sein zwischen 1937 und 1944 entstandenes tanzbares Kernrepertoire aus nur 39 Tangos, aber sieben meist temporeichen Valses und beeindruckenden zehn Milongas zusammensetzt. Und auch seine Aufnahmekarriere startete er 1937 mit dem Reißer „Milonga de mis amores“, der genauso treibend und in hohem Tempo arrangiert ist wie „La vida es una Milonga“ (1941, Martin Podestá) mit genial perlenden chromatischen, von Hector Grané gespielten Klavierkaskaden (0:45 und 2:07) oder „Yo soy de San Telmo“ (Alberto Podestá, 1943), das mit seinem faszinierenden Arrangement zeigt, mit welcher Leichtigkeit die Musiker der Zeit den treibenden Milonga-Rhythmus lässig von einer Instrumentengruppe zur nächsten hüpfen ließen.

La Vida Es Una Milonga
Mert Moran & Dilara Zorlu - Tango La Vida Golden Nights 2021




Milonga De Mis Amores
Maria Filali Y Gianpiero Galdi - 2015 - Mailand



Maldonado
Alejandra Mantiñan & Aoniken Quiroga - München 2019



Yo soy de San Telmo
Stephanie Fesneau and Fausto Carpino – Halle 2015


La vida es una milonga (1941 Martin Podesta)
ROXANA SUAREZ Y SEBASTIÁN ACHAVAL

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Rockige Tango-Feger mit dem Sänger Juan Carlos Casas

„Amurado“, „Como dos extraños“, „De puro guapo” oder “No me extraña” (alle 1940) leben vor allem vom Groove, den Laurenz seinem Balg entlockt, und funktionieren eher trotz als wegen des etwas schwachen, näselnden, gequetschten Gesangs von Casas, der nach der Zeit bei Laurenz in Paris Karriere machte als Tango-Folkore-Star im Cabaret Moulin Rouge. Und auch Laurenz erster Sänger, Hector Farrel, klingt auf den wenigen Aufnahmen wie z.B. „Abandono“ (1937) eher gequetscht denn als Meister des Lyrischen.


No Me Extrana
Javier RODRIGUEZ & Fatima VITALE - İstanbul - 2018


No me extraña
Lorena Tarantino and Gianpiero Galdi - Rumänien - 2019




Abandono
Marianna Koutandou & Vaggelis Hatzopoulos - Terrace of Polis Art Cafe, Athens 2021


Amurado
Fausto Carpino y Stephanie Fesneau - Belgrade 2018

Amurado
Facundo Pinero & Noelia Hurtado - Gala Night | 12th tango2istanbul - 2020


Große Tangos mit dem großen Alberto Podestá

Mit Alberto Podestá gelingt es Laurenz endlich, in der ersten Liga mitzuspielen, zwischen April 1943 und April 1944 produzieren die beiden einen Hit nach dem anderen, darunter "Recién", “Veinticuatro de Agosto", "Alma de bohemio", "Garúa", "Que nunca me falte", “Todo”, oder, quasi als Abschied „Muchachos, mi último tango“.

Todo
Sebastian Achaval y Roxana Suarez - Valencia - 2010


Recien‚ (1943)
Eugenia Parrilla and Yanick Wyler @ Tango Nocturne performance 1 NYC 2015


Alma de Bohemia
Adorables! Georgia Priskou & Loukas Balokas, Alma de Bohemio #Sultanstango'19


Yo quiero cantar un tango
Sebastian et Roxana  - Lyon - 2019


Todo
Cristina Sosa and Daniel Nacucchio - 2019 - Berlin




24 de Agosto
Sae y Juan Carlos - 2017 7th Shanghai International Tango Festival

Die lyrischen Sänger Carlos Bermúdez und Jorge Linares

Tatsächlich gelang es Laurenz nicht, seine Sänger dauerhaft zu binden. Aus der Vielzahl eher mittelmäßiger Stimmen (Hector Farrel, Juan Carlos Casas, Alberto Fuentes, Martin Podestá, Alberto del Campo, Afredo del Río) ragen Bermúdez und Linares, die Laurenz als Ersatz für den Superstar Alberto Podestá gewinnen konnte, zumindest ein wenig heraus.
„Barrio tranquilo“, „Ésta noche al pasar”, “Naranjo en flor” sowie „Trenzas“ (alle 1944) bilden eine feinfühlige Tanda, die von Linares Gesang, vor allem aber vom lyrisch-subtilen Bandoneonspiel des Orchesterleiters geprägt ist.
Carlos Bermúdez hingegen hat zwar die überzeugendere Stimme, seine sehr freie Phrasierung scheint sich aber nicht so recht in das Gefüge des Orchesters einfinden zu wollen, „Llueve otra vez“ oder „Nada más que un corazón“ bringen Fans des Gefühlvollen dennoch zum Schwelgen.



Al verla pasar (1942, Martin Podestá)
Roxana Suarez and Sebastian Achaval – Bari 2017


Llueve otra vez (1944, Bermúdez)
Sebastian Achaval and Roxana Suarez - 2013 - Shanghai



Instrumentale

Es erstaunt, dass dieses eigentlich so instrumental orientierte Orchester nur eine Handvoll Tangos ohne Gesang auf Schellack hinterließ. Während "Arrabal" (1937) und „Orgullo criollo“ (1941) vor Energie zu explodieren scheinen und besser zu den frühen vokalen Tangos passen, inspirieren „La Beba“ (1946) oder das wunderbare „Quejas de bandoneón“ (1952) zu sensibler geführten Ochos und feinen Verzierungen.


Orgullo Criollo
Lorena Tarantino Y Gianpiero Galdi


De puro guapo
Clarisa Aragon and Jonathan Saavedra – Berlin - 2019


Valses

Laurenz‘ Valses sind energiereiche Minidramen, vollgepfropft mit melodischen und rhythmischen Finessen, und gehören zweifelsohne zum Besten des Genres. Highlights sind „María Remedios“ (Alberto Fuentes, 1942) mit kurzer Klavier- und Bandoneon-Variación , “Paisaje” (Alberto Podestá, 1943) und das wunderbare “Caserón de tejas” (Alberto del Campo, 1943), aber auch die ruhigeren wie „Temblando“ und „Mendocina“ (beide 1944) bestechen mit ihrer Lieblichkeit.

Und dank der Restaurationsarbeit von TangoTimeTravel können wir nun auch Laurenz‘ prickelnde Version von „Flores de Alma“ (1942, Martin Podestá) genießen.


Paisaje
Celeste Rey y Sebastián Nieva, 2/11/2014 - Antwerpen



Maria Remedios
Oscar Mandaragan y Georgina Vargas at Verdi Club San Franzisco- 2015



Caseron De Tejas
Marina & Murat - Bern - 2020


Mascarita
Jonathan Saavedra & Clarisa Aragon, Lodz, 2017


Mondocina
Alejandro Larenas & Marisol Morales Rosario Tango Festival - 2015