Tangoorchester und ihre Geschichte
Corona-Update - 2020

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  • mit eingebetteten Youtube-Videos



- Orquesta Típica Lucio Demare

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Tango-Orchester und ihre Geschichte

Francisco Canaro - Julio de Caro -  Juan D'Arienzo 
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Tango-DJ


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Mit Illustrationen von Ulrike Schrammeck
Sonstiges


Tangotunes -
Die Retter des
Tango argentino

El Cachivache






Interessante Links für Tango-DJs

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Hier gibt's Musik

Tangotunes
www. tangotunes.com
Tangotunes hat fast immer die besten Transfers, die einzeln erworben und heruntergeladen werden können.
Die Golden Ear Editionen enthalten vollständig die für Tänzer wichtigen Einspielungen und verzichten weitgehend auf Nachbearbeitung wie Filter oder Hall.  Sie liegen u.a. vor für
  • Rodolfo Biagi
  • Miguel Caló
  • Juan D'Arienzo
  • Osvaldo Pugliese
  • Ricardo Tanturi
  • Domingo Federico
  • Alfredo Gobbi
  • Enrique Rodriguez
  • vieles von Lomuto, Canaro, Donato, Fresedo
  • Carlos di Sarli
Doch auch die Transfers von Ángel D'Agostino oder Aníbal Troilo und viele andere setzen Maßstäbe.

Philosophie und Arbeitsweise von Tangotunes habe ich in einem Artikel für Tangodanza dargestellt:
Tangotunes - Die Retter des Tango argentino


Qobuz
www.qobuz.com
Ein Online-Portal, das auch viele nicht mehr aufgelegte Tango-CDs in unkomprimierter Qualität zum Download bereit stellt.


Tango-DJ.AT
www.tango-dj.at
Bernhard Gehberger bietet in seinem Shop viele sonst nicht erhältliche CDs japanischer Sammler und Restauratoren an.
Mitglieder erhalten zusätzlich Zugriff auf weitere Transfers von Bernhard selbst und anderen Tango-Begeisterten.


Argentine-Tango-Radio
http://tunein.com/radio/Argentine-Tango-Radio
Tango-Radio-Programm aus Budpest - Tango 24/7
La 2x4
www.buenosaires.gob.ar/la2x4
Tango-Radio-Programm der Stadt Buenos Aires, bekannt durch den Musicalizador Marcel Rojas

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Sentimiento
www.sentimiento.de
/Tango/Lexi.htm
Wow, ein Lexikon mit wirklich allen Fachbegriffen rund ums Tanzen. (Ich habe die Erklärungen nicht überprüft!)
Tangodj
http://www.tangodj.org/
Hier finden sich sehr viele interessante Links, die allerdings nicht mehr ganz frisch sind.
Tango-DJ.AT
www.tango-dj.at
Bernhard Gehberger stellt in seiner Datenbank mit differnzierter Suchmaske Informationen zu nahezu allen Tangos bereit:
  • Titel und Aufnahmedatum
  • Orchester und Sänger
  • Komponist und Texter
  • CD, auf der der Titel enthalten ist, sowie Angaben zur Transfer-Qualität
  • 68.000 !!! Hörproben zu allen gelisteten Titeln !!! (Das ist wirklich unglaublich.)


El Recodo - Tango
www.el-recodo.com
Diese Seite aus Bordeaux, die ständig immer noch besser wird, bietet ebenfalls eine gigantische Datenbank mit Hörbeispielen, ein Quiz und viele Artikel rund um Tango in französischer, englischer und deutscher Sprache.


Todotango
www.todotango.com
Der Name ist Programm: Zu nahezu allem rund um Orchester und  Leiter, Musiker, Musiktitel, Noten und Partituren, zu Auftrittsorten oder Skandalen finden sich hier Listen und Anekdoten, Darstellungen und Interviews auf Spanisch, Englisch, Portugiesisch, Französisch und Deutsch. Todotango ist eine unerschöpfliche Fundgrube. Das meiste, was man im Netz findet, ist letztendlich hier abgeschrieben.


Tango.info
https://tango.info/deu
Informationen, Daten, Listen, zu allem und jedem von Tobias Conradis, nicht immer ganz übersichtlich, aber: Was für eine unglaublich gründliche Arbeit!
Today's Tango is ...
www.facebook.com

Today's Tango is ...
www.youtube.com
Paul Bottomer (gest. 2018), Tangoexperte aus London, moderierte intelligent, stilvoll und mit britischem Humor diese Facebook-Gruppe. Die Mitglieder posten weiterhin täglich über Youtube bereitgestellte Tangos, die  mit dem aktuellen Datum über ihren Aufnahmetag, Geburtstage der Komponisten oder Orchesterleiter usw. verbunden sind.
Im Textteil der weit über 3800 Videos, die Paul Bottomer auf Youtube bereitgestellt hat, finden sich fast immer eine Übersetzung des Textes ins Englische, Hinweise auf andere Versionen dieses Titels sowie Worterklärungen, Anekdoten, Geschichten und Hintergrundinformationen. Die von Paul für seine Videos meist mit einem hintergründigem Lächeln ausgewählten Bilder illustrieren amüsant Titel und Inhalt der Tangos.
Tangodanza
www.tangodanza.de
Tangodanza ist eine der letzten Tangozeitung in Europa! Neben Terminen, Veranstaltungshinweisen, Präsentationen von Trends, Tangolehrern, Festivals und vielem mehr erscheint zur Zeit eine von mir verfasste Serie über die großen Orchester des Tango Argentino. Im Kiosko kann man CDs, DVDs und Bücher rund um den Tango beziehen.
Das Abspielen von Tangomusik
Pro und
Kontra   Equalizing
Ein f(r)u(r)chtbarer Diskurs, wie DJs Tangomusik präsentieren sollen
El Espejero - tangobegeisterter DJ aus Toronto - veröffentlichte 2015 seine Gedanken über den sinnvollen Einsatz von Equalizern zur Verbesserung des Sounds von Tango-Aufnahmen.
Dies trieb Christian Tobler, aus Zürich stammender Restaurationsexperte und versessener Sound-Optimierer, zu einer mehrere "hundert" Seiten umfassenden Online- Replik gegen den Einsatz von Equalizern. Christian schreibt zwar immer wieder umständlich und redundant, seine Ansprüche sind sehr sehr sehr hoch, das unendliche Wissen und die vielen Links und Dokumente, die er anführt, beeindrucken aber und vermitteln viele Details, wie die Musik in den 1930er und 1940er Jahren ihren Weg von den Instrumenten auf die Schellacks fand.


Wie geht Tango-DJ

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Cassiels Tango-Blog
http://tangoplauderei.blogspot.de
Zwischen 2013 und 2015 wurden in diesem Blog im Anschluss an Cassiels Darstellungen in den Diskussionen viele spannende - und viele überflüssige - Fakten und Meinungen zusammengetragen. 

Sabine Maria Egger - ein Blog
http://tangoblog.sprach-atelier.de
Eine etwas ältere, aber überzeugende Darstellung, welche Musik in einer Milonga idealerweise wie gespielt werden sollte.


Supersabino
http://supersabinotango.blogspot.de
Der italienische DJ Supersabino interviewte zwischen 2013 und 2015 über 80 international agierende DJs. Hier finden sich neben vielen Tipps und Ansichten zur Gestaltung von Milongas ganz unterschiedliche Bewertungen der Orchester und ihrer Musik


Michael Lavocah
https://milonga.co.uk/


Der britische DJ und Tangohistoriker lässt in seinem Standardwerk
"Tango-Geschichten. Was die Musik erzählt."
sowohl die Entwicklung des Genres als auch den Charakter der einzelnen Orchester auf unvergleichliche Art lebendig werden.
Den herausragenden Orchestern widmet Lavocah Monografien. Bisher sind erschienen:
  • Anibál Troilo
  • Osvaldo Pugliese
  • Carlos Di Sarli (27.05. 2018)
  • Juan D'Arienzo
Michael Lavocah
http://www.todotango.com
Michael Lavocah beschreibt hier in drei Artikeln sehr präzise die Grundlagen des DJings. Was will man mehr.
   















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Tangotunes - Die Retter des Tango Argentino
(von Olli Eyding)
Erschienen in Tangodanza 03/2016

Der bestmöglichen originalgetreuen Digitalisierung von tanzbarer Tango-Musik und damit der Bewahrung des musikalischen Erbes des Tango Argentino auf höchstem Niveau haben sich die Mitglieder des österreichisch-argentinischen Projekts TangoTunes verschrieben.

Ein Tango-DJ vergleicht in der Regel zahlreiche CD-Veröffentlichungen eines Tangos, bis er eine Version in zufriedenstellender Qualität gefunden hat. Seit zwei Jahren ist fast immer TangoTunes die erste Wahl, sieht man von nur schwer erhältlichen japanischen Veröffentlichungen ab.

Das Team von TangoTunes

Gründer von TangoTunes ist Christian Xell (...) Don Xello fasziniert es außerdem, durch das professionelle Digitalisieren und Archivieren der (Tango-)Welt etwas Bleibendes zu hinterlassen. Es gibt in Argentinien keine staatlichen Institute oder Einrichtungen, die mit vergleichbarem Aufwand und Wissen dem mysteriösen Medium Schellack alle Geheimnisse zu entlocken versuchen. Somit füllt TangoTunes als private Initiative diese Lücke.

(...)

Es darf knistern

Ein erster Qualitätssprung gelang Anfang 2014 unter Federführung von Martin Haslehner mit der Veröffentlichung von 84 Aufnahmen von Angel D’Agostino in bisher ungehörter Qualität, die auch bei professionellen Audiotechnikern größte Anerkennung fand. Eines der Geheimnisse: Weitgehender Verzicht auf digitale Bearbeitung. Zwar knistert es, dafür kann sich die Musik der Schellack ganz anders entfalten.

Die Golden Ear Edition

Im Herbst 2014 stieß Christian Tobler aus Zürich zum Team und hob die Produktionsstandards und das technische Wissen auf ein bis dato unerreichtes Niveau. Dies gelang vor allem dank der Verpflichtung des herausragenden Sound Engineers Andrew Hallifax.
Sechs Monate wurde experimentiert, getüftelt, ausprobiert. Welche Tonabnehmer passen am besten zu den Eigenarten der Schellacks, wie sieht eine geeignete Verstärkerkette aus, welche Möglichkeiten der Bearbeitung sind möglich, die den Klang nicht verändern. Anhand von Blindtest-Hörreihen entschied das Team, welche technische Lösung zum überzeugendsten Ergebnis führt. Das Ergebnis waren die sogenannte Golden Ear-Editionen: In der Regel vollständige Sammlungen der tanzbaren Musik der großen Orquesta típica in bisher ungekannter, dem originalen Klang möglichst nahe kommender Qualität. Zum Kauf angeboten wird diese Musik nur noch in zwei unkomprimierten Formaten, eine HiRes-Version im FLAC-Format sowie eine CD-Version im AIF-Format.

Der Restaurationsprozess

Aufnahmen erfolgten von 1927 bis 1950 im Direktschnittverfahren. Die Musiker, die in der Regel mehrmals die Woche in Milongas spielten, versammelten sich im Tonstudio um meist genau ein Mikrophon. Die Platzierung im Raum entschied über Präsenz und Lautstärke von Instrumenten und Sänger. Die Musik wurde von einem High-Tech-Gerät, das von RCA Victor aus den USA bezogen wurde, direkt in warmes Wachs geschrieben, das durch Bedampfen mit einer Metallschicht haltbar gemacht wurde. Von diesen Mastern nahm man die Formen ab, mit denen anschließend die Schellacks produziert wurden. Leider wurden nahezu alle Master in den 60er-Jahren vernichtet, gut erhaltene Schellacks und Schallplatten sind die letzten verblieben Quellen.

TangoTunes besitzt mittlerweile über 2000 Schellacks und 5000 Schallplatten, Duplikate nicht mitgerechnet, von denen es teilweise bis zu 200 gibt. Für die meisten der großen Orchester liegen für die Zeit zwischen 1930 bis Ende der 40er Jahre vollständige Sammlungen vor. Bei einigen Orchestern wie Rodríguez oder Donato ist die Anzahl leider sehr überschaubar. Wie übrigens auch die Sammlerszene in Buenos Aires: Es gibt rund 20, meist ältere Sammler, die ihre Begeisterung für die Musik eint, die aber wenig Sinn für Musik-Restauration, ja nicht einmal für Schellack-Lagerung oder Ähnliches haben.

Schellacks werden zunächst gereinigt, fotografiert und anschließend in speziellen Hüllen archiviert. Die Lagerung erfolgt in Buenos Aires, aber auch in Wien. Die in den Jahren aufgebaute Datenbank umfasst mittlerweile über 10.000 Datensätze.
 
Um eine Schellack zu digitalisieren, reicht es nicht, sie mit hochwertigem Gerät abzuspielen und das Ergebnis in digitale Daten umzuwandeln. Dies hat mehrere Gründe:
-    Bis 1939 war die Grundstimmung der Orchester etwas tiefer, der Kammerton A lag bei 434 Hz, erst ab 1940 bei 440 Hz. Viele frühere Digitalisierungen sind daher zu schnell eingespielt und klingen zu hoch und gequetscht. Als Restaurator muss man also zunächst den richtigen Pitch, d.h. die richtige Abspielgeschwindigkeit finden.
-    Die mechanischen Möglichkeiten der Schellack verlangten gewisse Eingriffe in das Klangbild, die beim beim Digitalisieren wieder rückgängig gemacht werden müssen: Tiefe Töne bedingen in der Tonrille einen großen Ausschlag der Nadel. Um die Rille nicht zu zerstören und die Übertragung anderer Frequenzbereiche nicht zu beeinträchtigen, wurden daher tiefe Frequenzen gedämpft und hohe entsprechend angehoben. Erst um 1950 wurden diese Kurven standardisiert (RIAA). Die richtige Kurve zu finden ist aufwändig und schwierig. Besonders kreativ waren die Aufnahmemeister von Pugliese. Um diesem Problem Herr zu werden, experimentieren die Freaks von TangoTunes neben vielem anderen sogar mit eigens konstruierten Röhren-Vorverstärkern. Den extremen Qualitäts-Anspruch erkennt man auch daran, dass die Pugliese-Restaurationen von Ende 2015, die für jeden Laien ein Klangerlebnis sind, noch einmal mit besseren Parametern und besserer Technik neu veröffentlicht werden sollen.
-    Schellacks knistern leicht. Denn das Material enthält schleifende Komponenten, um die Nadel in Form zu halten. Betroffen davon sind vor allem die ersten zehn bis 15 Sekunden einer Aufnahme. Klanglich schwierig ist auch das Ende: Der Tonarm läuft in schlechterem Winkel, gleichzeitig reizt das klangliche Finale vieler Instrumente die Möglichkeiten der Schellackrille bis zum Anschlag aus, große Verzerrungen sind unvermeidbar. Üblicherweise wurden all diese Fehler standardisiert mit Filterprogrammen entfernt, denen viele Klangdetails, oft aber auch die ganze Musik zum Opfer fielen. Für die Golden Ear Editionen verzichtet TangoTunes vollständig auf automatisches Filtern und entfernt Kratzer und Knistern nur manuell.

Das Ergebnis all dieser Bemühungen: Haute Cuisine statt Fast Food. Eine musikalische Umarmung statt verzerrtes, aufdringliches Scheppern. Stimmen klingen natürlich und schweben im Raum, der Bass ist präzise aufgelöst, die einzelnen Instrumente hüpfen klar unterscheidbar aus dem Orchesterklangbild heraus, die Aufnahmen haben einen viel größeren Dynamikumfang als die bisher auf CD gepressten. Wer diesen Hörgenuss einmal gekostet hat, gibt sich mit üblichem Tango-Konserven-Futter nicht mehr zufrieden. Das leichte Knistern geht in diesem musikalischen Feuerwerk schnell unter.
(...)




El Cachivache - Tango-Punk

von Olli Eyding
erschienen in Tangodanza 03/2016

Welttournee – (...) –  Nomadenleben, Übernachten bei Bekannten der Veranstalter, bei Freunden, in Hotels, tagfüllende Reisen im Kleinbus, im Flugzeug, eine anstrengende Zeit. Aber Vito betont, er wolle auf das Vagabundieren auf keinen Fall verzichten, ihre Musik, den Tango, nur in Buenos Aires zu spielen, da würde ihm etwas fehlen.

Der Gitarrist Vito Venturino und Pablo Montanelli (Piano) gründeten 'El Cachivache' 2008. Negro de la Fuente (Bandoneon) und Pacha Mendes (Bass) stießen bald dazu. Seit einem Jahr ist der geniale Geiger Nico Franko Teil des Projektes.
Heute ist ' El Cachivache' mehr als ein Tango-Quintett. Auf Tournee geben sie Musikalitäts-Workshops für Tänzer, legen nach dem Konzert die Musik auf. Alle fünf tanzen auch, in Europa übrigens am liebsten in Berlin.

Krimskrams

Wir treffen die fünf Musiker in München vor ihrem Konzert 2016. Dorthin holte sie der in München etablierte argentinische Tango-Lehrer Esequiel Maiolo, Veranstalter der Milonga La Maleva. Ein riesiges Loft, auf ganz eigene Art ausstaffiert mit alten Tischen, Sesseln und Sofas aller Stile, voll mit selbstgezimmerten Lautsprechern und Provisorien jeglicher Couleur, im dritten Stock eines Gebäudes auf einem heruntergekommenen Industrieareal gelegen. Ein Ort ganz untypisch für München, aber perfekt für den Tango, und erst recht perfekt für das Quinteto. Cachivache ist ein typisch argentinischer Ausdruck, am besten übersetzt mit Krimskrams oder Trödel. So empfanden Pablo und Vito die Tangokultur, als sie vor acht Jahren zusammenkamen: liebenswert, ungeordnet, ein wenig angestaubt, etwas, was halt von früher noch so rumliegt, was übriggeblieben ist, aber gleichzeitig immer noch im Herzen der Menschen einen Platz hat.
Pablo und Vito trafen sich zufällig auf einer Bühne im 'Exil' in Spanien, wurden dort unvermutet zum gemeinsamen Improvisieren aufgefordert. Es begeisterte sie, sie gründeten eine Band. Ihre musikalischen Laufbahnen begannen mit klassischer Musik, in ihrer Jugend spielten sie Rock und jetzt sind sie – und das sagen sie mit einem Lächeln – als Erwachsene beim Tango angekommen.

Tournee-Pause für die Freundinnen

Die Musiker treffen sich in München nach vier Tagen Tourneepause, die sie nutzten, um ihre Freundinnen zu besuchen. Sie kommen zurück aus Lyon, aus Berlin, aus Madrid, ja sogar aus St. Petersburg, Nico hetzt im letzten Moment die drei langen Treppen hoch in den Tangosalon.
Eine knappe Stunde bleibt ihnen für Aufbau, ein wenig Sound-Check, Durchspielen einiger Stücke. Sie spielen ohne Noten, sie spielen als Band, sie produzieren einen gemeinsamen Sound, einen gemeinsamen Groove, die Musik ist in ihnen und füllt ganz schnell die noch leere Milonga, ihre Tangos sind kraftvoll, präzise, teilweise virtuos, sehr abwechslungsreich arrangiert, wir wollen eigentlich sofort tanzen. Vito selbst sagt, es sei für ihn ein durchaus magischer Moment gewesen, sich nach der Tourneepause so schnell wieder zusammenzufinden.
Nach der Probe kommt der Veranstalter Esequiel mit den Pizza-Kartons, wir setzen uns Backstage mit den fünf Musikern zusammen. Pablo und Vito ergreifen meist das Wort, wir lachen viel, sie haben einen subtilen, intelligenten Humor, erzählen von ihrer Musik, vom Nomaden-Alltag, von ihrer eigenen Milonga in Buenos Aires.

Cachivachería

Die Cachivachería im Barrio Villa Crespo veranstalten sie in einem etwas heruntergekommenen liebevoll eingerichteten Theater. Das Motto: „Mach dir keinen Stress“. Die alternative Szene trifft sich in dieser angesagten Milonga, auf der Bühne gibt es immer Live-Musik von 'Cachivache' und anderen Bands, Tanzpaare treten auf, legendär ist die Musikauswahl.
Alle fünf verstehen sich als gleichwertige Musiker, wie in einer Rockband. Für einen Sänger, für Gesang bleibt da kein Raum, er würde zu sehr herausstechen. Ihre Musik ist ohnehin dicht arrangiert. Geige, E-Gitarre und Bandoneon übernehmen die Stimmführung, die Musiker spielen präsent, einfühlsam. Das Piano und der oft sehr perkussiv bearbeitete Kontrabass definieren den Compás. Darüber, darunter und dazwischen verstreuen die virtuosen Instrumentalisten dann ihre ganze Musikalität. Klavierläufe tänzeln dahin, die Geige singt in allen Tonlagen und Klangspektren, garniert den akzentuierten Klangteppich noch mal schnell mit einem Pizzicato, die E-Gitarre setzt zwischendurch rockige Klangakzente, bis sich alles in wuchtigen Unisono-Klängen zusammenfindet.
Das Besondere an 'Cachivache': Die Attitude, die Energie, der Sound sind teilweise rockig, sie spielen aber ganz bewusst für Tänzer, für die Milonga.


Vom Rock geprägt
Troilo, Pugliese, Di Sarli beeinflussen sie, vor allem aber auch die aktuell in Buenos Aires angesagten Tango-Orchester. Sie beobachten die Szene, die aktuellen Entwicklungen sehr genau. Dabei treibt sie immer die Suche nach einer zeitgenössischen Weiterentwicklung des Weltkulturerbes Tango an. Sie sehen sich dabei tief verwurzelt in der argentinischen Kultur, sehen sich auch beeinflusst von den zahlreichen Entwicklungslinien des Tango in den 60ern und 70ern, Piazzolla, Salgán, Mores, und bringen dies in Verbindung mit ihrer eigenen, vom Rock geprägten Vergangenheit. Ohne die Verwurzelung in der Kultur von Buenos Aires ist Tango für sie nicht denkbar, ihre Herkunft prägt das Timbre der Instrumente, den Wechsel zwischen leisen und akzentuierten Passagen, die Energie der Musik.
Googelt man 'Cachivache', stößt man zunächst auf eine Reihe von Videos – und auf echten Tango-Punk. Während die fünf auf der Bühne und im Interview liebenswerte, feine Menschen sind, inszenieren sie sich in den Videos als martialische, harte Rocker, wild geschminkt, hektisch agierend, irgendwie immer im Kampf, auf der Flucht.
Besonders befremdet ihr letzter Video-Clip, der eher einer Ästhetik des Hässlichen folgt, gespickt mit vielleicht frauenfeindlichen, vielleicht die Unterdrückung der Frauen bloßstellenden Bildern. Feministische Kommentare auf Facebook wie auch hilflose Deutungsversuche lassen sie ironisch an sich abperlen. Wer weiß schon, was die Bilder sagen, es gibt zahlreiche Deutungsmöglichkeiten. Die Botschaft ist weniger die erzählte Geschichte, sondern die Ästhetik. Inspiriert vom MTV-Konsum ihrer Jugend in den 90er-Jahren und ihrer rockigen Vergangenheit lieben sie es, ihre Musik zu bebildern, mit einer Story zu versehen und als Schauspieler zu agieren. Die Video-Clips tragen ihre Musik in die Welt.

Aktuelle CD

Ihre aktuelle CD TangoPunk produzierten sie im Frühjahr in den ION- Studios in Ney ??? York, bevor sie sich zu ihrer Welttournee aufmachten. Es passt ins Bild, dass die CD im Eigenverlag erscheint und nicht über die großen Musikportale vertrieben wird. Frisch ist die Musik, präzise und lebendig gespielt, alle neun Stücke sind natürlich instrumental, alle zählen zu den ganz großen Hits, alle sind perfekt tanzbar.
Comparsa Criolla eröffnet die CD und rockt genauso wie Ricardo Tanturis Einspielung von 1938. Pablo setzt dabei präzise, rhythmische Akzente am Piano, die Geigensoli scheinen der ungarischen Puszta zu entspringen, eine Musik voller Impulse, die alle ausgetanzt werden wollen.
'Cachivache' trauen sich auch an ganz große Nummern heran. Que falta que me haces, klassisch in der Version von Miguel Caló mit dem Sänger Alberto Podestá, ist voller Kraft und Ruhe gleichzeitig. Den mächtigen Vokalanteil interpretieren die Musiker virtuos im Wechsel. Auch Troilos Te aconsejo que me olvides setzen die fünf mit großer Energie um, die subtile Phrasierung des großen Pichuco erreicht ihre Interpretation dann aber doch nicht.
Das Rockige zeigt sich bei 'Cachivache' im Sound und der Energie. Die Phrasierung, die Arrangements, die Dynamik sind hingegen verspielt, komplex und detailreich. Zusammen mit dem immer präsenten Compás entsteht so eine frische, moderne Tanzmusik, die weit mehr Tango ist als Punk.

Weitere Infos: www.elcachivache.info



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Kurzgeschichte: Die Leben der Anderen (von Olli Eyding)
Herbst 2017

Die Leben der Anderen

Sie hatte sich angewöhnt, Nachrufe über die Anderen zu schreiben. Knappe Texte, die sich für die Lokalzeitung eigneten, die Abschiedsfeier im Betrieb oder die Internetseite des Vereins. So hatte sie Kontrolle über die Leben der Anderen. Sie saß meist in einer Ecke und beobachte. Eher selten führte ein Cabeceo zur Verabredung einer Tanda mit den Anderen, von denen sie wenig wusste. Sie unterhielt sich nicht gerne.
Aber trotzdem kannte sie die Leben der Anderen. Sie konnte ja alles in ihrem Tanzen lesen. Schon in der ersten Schnupperstunde sah sie in den unbeholfenen, staksenden, gewollten Schritten der Kursteilnehmer deren Schicksale. Und Hugo, der Argentinier, der schon vor Jahrzehnten in ihrer Stadt gestrandet war, bestätigte sie: „100 Tangueros, das sind 100 Tanzstile, und eben 100 verschiedene Leben. Wie einer Tango tanzt, verrät alles über ihn.“

In den ersten Jahren folgte sie einfach ihrer Intuition. Es war ja offensichtlich, dass der milchgesichtige Mittfünfziger, der wie ein schlecht computeranimiertes Marshmallow-Männchen gleichförmig seine Dame manövrierte, sich seinen Speck irgendwo in der mittleren Beamtenlaufbahn angefressen hatte. ... Dass ihn seine Frau nach zwanzig Jahren Ehe verlassen hatte, belastete ihn lange ... Oder die Sekretärin: Gute Fußtechnik, großes Schrittrepertoire, aber alles wirkte immer so glatt, alle Schritte immer gleich groß, gleich schnell. ... Sie war überall beliebt, benahm sich immer angemessen, besuchte wöchentlich das Fitnessstudio, ... , hinterließ keine Spuren, ...

Bei Promille-Paula, die, wie jeder sofort roch, selbst für die monatliche Nachmittagsmilonga zu Hause vortrank, zögerte sie zunächst. Paula schlängelte ihren dünnen, in schwarze Spitze gehüllten Arm mit betonter Leidenschaft über die Schulter ihres Tänzers und stürzte sich auf jeden Führungsimpuls, der irgendwie in einer spektakulären Pose enden könnte. Immer trug Paula ein knappes, schwarzes Reißverschlusskleid, das viel Haut entblößte. Zunächst schwankte sie zwischen Kunst- oder Yoga-Lehrerin. Doch dann öffnete ihr eines Nachts ein Traum die Augen. Sofort hastete sie zum Rechner, fiebrig hämmerten ihre Finger: ... brach sie 1988 ihr Kunststudium erfolglos ab, Seminare für Eurythmie und Freies Tanzen in einer Landkommune, unstetes Leben als Kunsthandwerkerin auf Esoterikmärkten, erbte das Elternhaus in der Kleinstadt, starb einsam ...

Dem jungen schlanken Tänzer mit zum akkuraten Scheitel gegelten Haaren und perfekter Technik folgten ihre Blicke gerne.  Seine in anthrazitfarbene Bundfaltenhosen gehüllten Beine hackten reihenweise Sacadas in die Moulinetten der Tangueras, so wie ein Messerwerfer scharfe Klingen zwischen den Gliedmaßen der auf einer Scheibe rotierenden Partnerin platziert. Er trat in die Fußstapfen seines früh verstorbenen Vaters..., führte die Arztpraxis weiter, ... , glücklich verheiratet mit seiner Jugendfreundin, tragischer früher Tod beim Gleitschirmfliegen... hatte sie ohne zu zögern in die Datei Schnösel getippt.

Aufgefordert wurde sie. Führende fühlten sich von ihren Ochos, die sie mit einem leichten Nachschwingen der Hüfte tanzte, inspiriert. Eine intensive Tanda mit ihr hinerließ bei den Tangueros aber oft den schalen Eindruck, eigentlich gar nicht selbst geführt zu haben, ja sie fühlten sich fast ein wenig unterworfen. Einer glaubte, in ihrer Art, wie sie Führung und Musik interpretierte, eine gewisse Ironie zu erkennen. Weil er oft wie ein Ertrinkender rudernd mit den Armen führte und seine schwankende Achse selten unter Kontrolle bekam, hatte sie seinen Nachruf unter dem Namen Schilf abgespeichert.

Die Szene ihrer Stadt war übersichtlich. Dennoch hortete sie bald über 100 Seelen. Sie verlor den Überblick. Die Frauen unterteilte sie daher in Anfängerin, Konkurrentin, Vorbild, die Männer in inspirierend, erträglich, Zumutung. Als sie entdeckte, dass sie sich mit dieser etwas plumpen Zuordnung auf eine Ebene mit den Anderen begab, nahm sie wieder Abstand davon.

Im Laufe der Jahre musste sie die Art, wie sie die Anderen in ihrem Tanzen erkannte, verfeinern. Denn auch die Tänzer ihrer kleinen Stadt fuhren auf Festivals, Encuentros oder Marathons und profitierten von den jungen, argentinischen Paaren, die selbst hier in der Provinz Wochenendworkshops gaben. Das offensichtlich Charakteristische, die Unbeholfenheit, das manchmal Steife, manchmal Gewollte und Unkontrollierte war konformeren, eleganteren Bewegungen gewichen. Doch mit ihren vor dem Spiegel trainierten Enrosques, mit ihrer krampfhaften Suche nach eleganten Füßen, mit ihrem Streben, die heilige Tangomusik möglichst authentisch zu interpretieren, entblößten sich die Anderen umso mehr vor ihr.
Auch den Neuen, einen muskulösen, etwas gedrungenen Glatzkopf, ihr fiel als Dateiname sofort Arjen Robben ein, der gerade rücksichtslos der Sekretärin eine erst letzte Woche gelernte rhythmische Verdopplung aufzwang, hatte sie schon verbal in einem Nachruf erledigt ... mit großem Einsatz im Vorstand seines Vereins, ... Motorradfan, seinen Freunden immer eine große Hilfe, ... , seine hübsche erste Ehefrau ging mit den fünfjährigen Zwillingstöchtern zurück nach Italien ...

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Da fällt ihr Blick auf Stefan. Als einzigen hatte sie ihn bis jetzt nicht mit Wörtern bezwingen können. Sie tanzt selten mit ihm. Sie mag seinen Geruch, seinen gepflegten Körper, seine Umarmung, seine eindeutige, immer präzise Führung. Gerne spürt sie seine feinfühligen Hände auf ihrer Haut. Aber in der schnellen Abfolge präziser Schrittkombinationen, durch die er sie mit perfekter Technik jagt, findet sie nie Platz, die Melodien, die sie so liebt, mit all ihrer Weiblichkeit zu leben.
...
Vielleicht ist das der Grund, warum sie mit Stefan bis heute noch nicht zusammengezogen ist.









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Mein Stil als Tango-DJ

Tangos der frühen 40er, subtil, rhythmisch, elegant, verspielt, faszinieren mich mit ihrer Energie und stehen im Mittelpunkt meiner Musikauswahl, deren erstes Kriterium Tanzbarkeit ist, die ansonsten aber von Abwechslung lebt: Rhythmisches aus den 30ern, Lyrisch-Melodisches, aber auch sorgfältig ausgewählte Musik der Fünfziger und Sechziger Jahre sowie zeitgenössische Orchester beleben die Musik. Lustiges, Süßes oder Komplexeres sind die Würze. Tanzen muss Spaß machen.
Dabei bemühe ich mich, die Stimmung und die Komplexität der gewählten Musik von Tanda zu Tanda zu variieren, ohne dabei die Energie und die Dynamik der Tänzer bzw. der Ronda aus den Augen zu verlieren. Jeder Tango, jede Milonga, jeder Vals ist so gewählt, dass er direkt in die Beine geht und die Tänzer lächeln lässt. Die sorgfältig ausgewählten Cortinas unterstützen dabei die Stimmung der Tandas, anstatt sie zu trennen.
Die permanente Suche nach den besten Restaurierungen sowie ein sensibler Umgang mit Lautstärke und gelegentlicher Einsatz von Equalizer garantieren einen angenehmen Sound, sodass sich Tänzer auch über Stunden wohlfühlen.
Ich lebe und tanze in München. Den Tango entdeckte ich vor über 25 Jahren, und meine Leidenschaft wächst immer noch weiter. Neben meiner Tätigkeit als TJ schreibe ich als Autor der Zeitschrift Tangodanza unter anderem eine Serie über die großen Orchester der Epoqua de Oro.

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