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Yira Yira !!!



Musik und Text:
Enrique Santos Discépolo, 1930

Orchester Tipíca Victor

Vok: Alberto Vila, Alberto Gómez

T: 3:08

BPM: 58


 


Yira Yira!!! reizte Dutzende Künstler, angefangen von Carlos Gardel (1930) über Francisco Canaro (1930, 1946, 1961), Aníbal Troilo (1947) oder Alfredo de Ángelis (1961) bis hin zu Julio Iglesias (1996).


Der Ursprung meiner Tangos ist immer die Straße, deshalb laufe ich durch die Stadt und versuche, ihre Seele zu erfassen, versuche mir vorstellen, was wohl diese Frau oder jenen Mann gerade bewegt,
antworte Enrique Santos Discépolo (1901-1951), als man ihn nach dem Erfolgsrezept seiner Tangotexte fragte. Discépolo, El Poeto del Tango, schuf Tangotexte mit einer bis dahin unerreichten Tiefe und Reflektiertheit, zu denen in den Vierzigern Perlen wie Cafetín de Buenos Aires oder Uno zählten.


Doch um 1930 fand er infolge der weltweiten Wirtschaftskrise auf seinen Zügen durch die Straßen Heerscharen von verloren, herumstromernden Arbeitslosen, die inmitten der hoffnungslosen Misere dieser Jahre, die in Argentinien als die berüchtigte Dekade (Década Infame) gelten, irgendwie zu überleben versuchten. Einfache Leute, Künstlerexistenzen, Archetypen aus der Welt der Cabarets waren die Hauptpersonen der kleinen, meist frustrierenden Dramen dieses Dichters. Cambalache (1934) (dt. Trödelladen) sieht die ganze Welt als chaotische Schweinerei, als unberechenbares moralfreies Durcheinander, das aber noch eine jahrmarktartige Lebendigkeit enthält, während Yira Yira (1930) die ganze Hoffnungslosigkeit dieser Jahre in seinen traurigen Versen verdichtet. Das Lunfardo-Wort Yira leitet sich vom italienischen girar ab, es bedeutet, quasi als proletische Variante des Pariser Flaneurs, seine Kreise ziehen, es steht aber auch für die Suche der Prostituierten nach Freiern.
Carlos Gardel machte diesen Tango 1930 sofort berühmt.


Discépolos lebenslange, leidenschaftliche Liebe galt der aus Spanien stammenden, in Argentinien sehr populären Sängerin Tania, die seine Kompositionen mit großer Leidenschaft vertonte. Yira Yira!!! nahm sie allerdings erst drei Jahre nach Discépolos Tod 1954 mit dem uruguayischen Orchester von Donato Racciatti auf. Nachdem Discépolo, ein Mann der Nacht und der Cabarets, eine neue Melodie komponiert hatte, suchte er, die Melodie weiter im Kopf summend, um sie nicht zu vergessen, die Hilfe seiner Musikerfreunde: Er selbst hatte nie Musik studiert und konnte zwar auf dem Klavier klimpern, aber nicht selbst musiktheoretisch valide Musik notieren!

 

Der Tango

Entsprechend seines Entstehungsjahres ist dieser Tango zunächst ein unaufgeregtes, durchaus typisches Kind seiner Zeit:
Der ruhige Compás mit teils entspannter, teils stakkatohafter Betonung des ersten und dritten Schlags wurzelt in der ruhig schreitenden Musik der Zwanziger, Juan D’Arienzos Nervosität, Klanginnovationen von Osvaldo Fresedo, die Kompexität von Pedro Laurenz sind noch in weiter Ferne.
Die herausragende Qualität der Musiker findet sich in den rhythmischen Spielereien (0:15), den Gegenmelodien der Geige Emilio Vardaros (um 0:50), die dem OTV auch seinen strahlenden Klang verleiht, vor allem aber in den kurzen Variaciones des Bandoneons im fünften Abschnitt (2:27) , der wie die beiden ersten rein instrumental gestaltet ist.
Der Einsatz der Stimmen überrascht: Nach dem ausdrucksstark und nicht unbedingt für Tänzer gesungenem Solo von Alberto Gómez folgen ein Duett, später sogar chorische Passagen.


Yira Yira !!!


Streunen

Cuando la suerte qu'es grela
Fallando y fallando
Te largue parao'
Cuando estés bien en la vía
Sin rumbo, desesperao'
Cuando no tengas ni fe
Ni yerba de ayer
Secándose al Sol

Wenn das Glück, das so schüchtern ist
Scheitert und scheitert
Dich einfach stehen lässt
Wenn du gut auf dem Weg bist
Ohne Richtung, verzweifelt
Wenn du keinen Glauben mehr hast
Und kein Gras von gestern
In der Sonne vertrocknet

Cuando rajes los tamangos
Buscando ese mango
Que te haga morfar
La indiferencia del mundo
Que es sordo y es mudo
Recién sentirás


Wenn du die Schuhe zerreißt
Auf der Suche nach dem Obst
Das dich satt macht
Die Gleichgültigkeit der Welt
Die taub und stumm ist
Wirst du erst fühlen


Verás que todo es mentira
Verás que nada es amor
Que al mundo nada le importa
Yira, yira


Du wirst sehen, dass alles eine Lüge ist
Du wirst sehen, dass nichts Liebe ist
Dass der Welt nichts wichtig ist
Yira, yira


Aunque te quiebre la vida
Aunque te muerda un dolor
No esperes nunca una ayuda
Ni una mano, ni un favor


Auch wenn das Leben dich bricht
Auch wenn ein Schmerz dich beißt
Erwarte niemals Hilfe
Weder eine Hand, noch einen Gefallen


Cuando estén secas las pilas
De todos los timbres
Que vos apretás
Buscando un pecho fraterno
Para morir abrazao'
Cuando te dejen tirao'
Después de cinchar
Lo mismo que a mí
Cuando manyés que a tu lado
Se prueban la ropa
Que vas a dejar
Te acordarás de este otario
Que un día, cansado
Se puso a ladrar


Wenn die Batterien leer sind
Von all den Klingeln
Die du drückst
Auf der Suche nach einer brüderlichen Brust
Um umarmt zu sterben
Wenn sie dich liegen lassen
Nach dem Kämpfen
So wie mich
Wenn du merkst, dass neben dir
Die Kleidung anprobiert wird
Die du zurücklassen wirst
Wirst du an diesen Trottel denken
Der eines Tages, müde
Anfing zu bellen.


Übersetzung: www.letras.com